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| Jess Jochimsen |
| Bellboy - oder: Ich schulde Paul einen Sommer |
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Verlag: dtv
Format: Paperback, 236 S.
ET: D 10/2005
Preis: 12,00 €
ISBN: 3-423-24477-1
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| Klapptext: |
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Der eine möchte vergessen und schafft es nicht, der andere will sich erinnern und kann es nicht - gemeinsam aber krempeln sie ihr Leben um und geben der Welt gehörig eins auf die Glocke.
Die Freundin weg, das Studium abgebrochen, und um irgendetwas geregelt zu kriegen, ist es einfach zu heiß. Der einunddreißigjährige Lukas fristet ein trostloses Dasein als Nachhilfelehrer und Kirchendiener im München des Jahres 2003. Mit seiner Vergangenheit auf dem Land will er nichts mehr zu tun haben, und die Gegenwart in der Stadt erträgt er nur mit einer gehörigen Portion Zynismus und Promiskuität. Bis sein demenzkranker Cousin Paul auftaucht und alles aus den Fugen gerät. Paul umgibt ein dunkles Geheimnis, doch bis Lukas es lüftet, muss er tief in die Niederungen einer grotesken Provinz-Kindheit steigen. Nebenbei wird ein Ausflugsschiff versenkt, der Kanzler im Urlaub besucht, ein Landstrich verwüstet, ein halbes Provinznest geschwängert und eine ganze Reihe der Zehn Gebote gebrochen.
Jess Jochimsen erweist sich einmal mehr als begnadet komischer Schilderer von Kindheits-Katastrophen und liefert gleichzeitig eine aberwitzige Chronik des heißesten Sommers der deutschen Geschichte, in dem ein paar schrägen Vögeln mehr passiert als anderen in ihrem gesamten Leben.
„Muss man eigentlich noch irgendjemandem sagen, wie wunderbar Jess Jochimsen ist? Und all denen, die es nicht wissen: er ist grandios komisch! Er ist der Beste seiner Generation!“ KÖLNER STADT-ANZEIGER |
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| Biographie: |
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| Jess Jochimsen, 1970 in München geboren, lebt als Kabarettist und Autor in Freiburg. Seit 1992 tritt er allein oder im Duo mit Sascha Bendiks auf allen bekannten Bühnen Deutschlands auf. Er war zu Gast in vielen Fernsehsendungen, u.a. im „Scheibenwischer“ und im „Quatsch Comedy Club“, moderiert seit fünf Jahren die Literatursendung „Die Vorleser“ im WDR-Hörfunk und schreibt eine regelmäßige Kolumne in der Frankfurter Rundschau. In seiner Freizeit fotografiert er traurige Dinge, um diese dann als Dias vorzuführen und mit Countrymusik zu untermalen.
Bei dtv erschienen von ihm bislang: „Das Dosenmilch-Trauma. Bekenntnisse eines 68er-Kindes“ und „Flaschendrehen oder: Der Tag, an dem ich Nena zersägte“. |
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| Grosse-Literatur.de-Rezensionen: |
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Jess Jochimsen legt mit diesem Roman eine nachdenklich machende Geschichte um Glöckner Lukas und Bellboy Paul vor. Lukas ist vor Jahren sang und klanglos aus dem Provinznest seiner Jugend entflohen und fristet nun ein eher trostloses Dasein nach dem Studiumsabbruch als Nachhilfelehrer und Kirchendiener. Paul hingegen zählt zu Lukas’ Vergangenheit, die er jahrelang aus seinen Erinnerungen verbannt hatte. Doch Paul tritt mit einer solchen Wucht und Intensität in sein Leben, das selbst Lukas beginnt allmählich den Sinn des Lebens zu hinterfragen.
Schon bald nach der Beschlagnahme seines Alltages durch Paul muss Lukas feststellen, dass sein kleiner Cousin an Demenz leidet. Dass Lukas dies nicht wahrhaben, dass er Ursachen und Lösungen finden und Paul schließlich den schönsten Sommer seines Lebens bieten will, gehört dabei zum Wachwerden des bis dahin eher dahinvegetierenden Münchners. Er ist gezwungen sich mit seiner Kindheit auseinanderzusetzen, vielleicht auch, sie ein Stück zu verarbeiten.
Der Autor hat es geschafft Passagen einzuflechten, die mir durchaus das ein oder andere Lächeln entlockten, so z.b. die nahezu „tanzende“ Beschreibung des vibrierenden Handys auf dem Tisch:
„Das Handy ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, wandte sich bald hier-, bald dorthin, gönnte sich alle paar Sekunden eine Pause und hüpfte dann wieder weiter. Improvisierte bedrohlich nah am Abgrund und tänzelte dann gekonnt zurück zur sicheren Mitte des Tischs ...“
Derartig gelungene Abschnitte hat das Buch einige zu bieten.
Der Zynismus, mit dem der Autor versucht mit Pauls Krankheit, mit Lukas’ Kindheitserinnerungen sowie dem Tod umzugehen, finde ich stattdessen etwas fehl am Platz. Gewiss wird dadurch dem schwierigen Thema ein wenig Trostlosigkeit und Traurigkeit entzogen, jedoch wurde das erträgliche Maß für meinen Geschmack übertroffen.
Etwas Licht in diese Geschichte bringt Lukas’ bester Freund und Mitbewohner Stevie. Er ist von Beruf Pfarrer, liebt Männer, backt auch mal Haschkekse und lebt so gar nicht orthodox, wie man es eigentlich von einem Prediger erwarten würde. Jochimsens Beschreibungen Stevies sind einfach köstlich und muntern selbst dieses schwierige Thema auf, konnten jedoch nicht immer verhindern, dass ich mich von Kapitel zu Kapitel, manchmal sogar von Seite zu Seite durch diese Geschichte quälte.
Fazit: Eine Geschichte, die sicherlich viel zu bieten hat, jedoch nicht jedem (z.b. mir) zugänglich ist.
Sandra Kuhn, Grosse-Literatur.de
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