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| Nicholas Christopher |
| Das verlorene Bestiarium |
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Original: The Bestiary
Verlag: dtv
Format: Paperback, 380 S.
ET: 03 / 2011
Preis: 14,90 €
ISBN: 978-3-423-24829-7
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| Klapptext: |
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"Die erste Bestie in meinem Leben war mein Vater ..."
Unzählige Legenden ranken sich um das "Karawanenbuch", ein Bestiarium aus dem Mittelalter mit prächtigen Illustrationen von Fabelwesen, die die Sintflut nicht überlebt haben. Die Handschrift ist seit Jahrhunderten verschwunden. Wer sie findet, so heißt es, werde das absolute Wissen erlangen. Als Xeno Atlas, schon als Kind fasziniert von phantastischen Geschöpfen und Tiergeistern, von diesem Buch erfährt, setzt er alles daran, ihm auf die Spur zu kommen.
Er macht sich auf eine abenteuerliche Suche, die ihn um die ganze Welt führen wird: vom New York der Fünfzigerjahre über die Schlachtfelder Vietnams, über Bibliotheken und Archive auf Hawaii bis in die verwinkelten Gassen des Venedigs der Achtziger - und mitten hinein in das Rätsel seiner eigenen Familiengeschichte. |
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| Biographie: |
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| Nicholas Christopher wurde 1951 in New York geboren. Nach seinem Studium der Englischen Literatur am Harvard College reiste er durch Europa und schrieb für führende amerikanische Zeitungen und Magazine. Bislang hat er fünf Romane, acht Gedichtbände sowie ein Sachbuch veröffentlicht. Christopher ist Professor an der Columbia University und lebt mit seiner Frau in New York. |
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| Grosse-Literatur.de-Rezensionen: |
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Der Klapptext hat mir vieles versprochen, unter anderem „ein packender literarischer Abenteuerroman“. Doch ehrlich, von packend oder gar Abenteuer habe ich leider nichts entdecken können …
Xeno Atlas wächst in den Fünfzigerjahren in New York auf. Seine Mutter starb bei seiner Geburt, sein Vater, ein Seemann, ist selten daheim, und wenn doch, dann gibt er sich distanziert gegenüber seinem Sohn. Einzig von seiner Großmutter erfährt Xeno Liebe und Zuneigung und noch etwas anderes: sie erzählt ihm von den seltsamsten Wesen und entfacht so seine Faszination zu den mythischen Fabeltieren. Auf dem Internat schließlich entflammt Xenos Interesse an den Fabelwesen erneut als ihm sein Geschichtslehrer von dem geheimnisvollen „Karawanenbuch“ berichtet - ein verlorenes Bestiarium, dass einst Teil der Bibel gewesen sein soll. Doch zuerst gilt es für Xeno eine turbulente Collegezeit hinter sich zu bringen und sein Leben während des Vietnamkrieges zu bewahren. Als das Karawanenbuch Jahre später wieder Einzug in Xenos Gedanken findet, folgt er den verschlungenen Pfaden, die dieses Buch durch die Geschichte nahm; im Besitz der unterschiedlichsten Menschen, an den verschiedensten Orten der Welt und macht schließlich eine überraschende Entdeckung …
„Das verlorene Bestiarium“, ein Roman über eine abenteuerreiche Suche auf den Spuren eines geheimnisvollen Buches, gespickt mit den ungewöhnlichsten Fabeltieren, die die Mythologie zu bieten hat - das schien mir eine interessante Mischung und genau mein Ding zu sein. Doch leider gibt sich dieser Roman in beidem sehr bescheiden. Denn von einem spannenden Abenteuer kann nicht die Rede sein. Sicher, die Spuren, denen Xeno quer durch die Geschichte folgt, sind nett zu lesen und haben einen gewissen Unterhaltungswert, werden aber weder fesselnd noch mitreisend erzählt. Zudem wird „das Rätsel seiner eigenen Familiengeschichte“, wie es weiter im Klapptext heißt, gänzlich vage gehalten, von Auflösung des wirklich etwas sonderbaren Rätsels keine Spur. Eher blieb ich als Leser am Ende mit „Wie, das wars schon?“-Gedanken einsam zurück.
In diesem Roman lernen wir Xeno als verletzlichen kleinen Jungen kennen, von seiner Familie mütterlicherseits beraubt, der nur seine Großmutter als einzige Konstante in seinem Leben kennt. Eines nachts sieht er, mehr aus dem Augenwinkel, einen Fuchs im Bett seiner Großmutter. Doch im nächsten Augenblick ist dieser verschwunden, und seine Grandma wieder ganz die alte. Solche Andeutungen finden sich häufig im Buch. Diese seltsamen Momente werden vom Autor auch nicht näher aufgeklärt. Es ist eben so. Auch Jahre später als das Mädchen, dass eben noch am Baum lehnte, plötzlich verschwunden ist und Xeno an ihrer Stelle kurz (wieder einmal) eines Fuches ansichtig wird. Was es damit auf sich hat und wie seine Familie mit den mythischen Fabelwesen und deren Geschichte in Verbindung steht, erfährt der Leser hier leider nicht.
Xenos eher düster gehaltene Kindheit und Jugend machen den größten Teil dieses Buches aus. Auch später, nach der Collegezeit ist dieses Buch vorallem von Xenos zwischenmenschlichen Beziehungen und Erlebnissen, fernab der Suche nach dem Karawanenbuch, geprägt. Als es dann endlich los geht, und Xeno sich auf die Spuren des Buches begibt, geschieht dies nicht nur ereignislos, sondern auch sehr unspektakulär. Er sucht in diesen und jenen Archiven in den verschiedensten Ländern der Erde, hat hier Glück, dort Pech. Das wars.
Etwas gestört hat mich, dass Xeno selbstverständlich zahlreiche Sprachen spricht, darunter lateinisch, französisch, italienisch und griechisch, denn schließlich reist er in die verschiedensten Länder um dem Buch auf die Spur zu kommen und sucht in den unterschiedlichsten Dokumenten nach weiteren Anhaltspunkten. Nie schien er dabei irgendwie ein Problem zu haben. Auch der Umstand, dass Xeno für seinen Lebensunterhalt nicht arbeiten muss, und schnell mal hierhin und mal dahin fliegen konnte, war mir schlichtweg ein zu problemlos gestalteter Teil des Plots. Sein Vater hat Xeno finanziell unterstützt – obwohl sein Sohn alle Brücken zu ihm abgebrochen hat. Aber ist dies damit wirklich dennoch alles zu finanzieren? Ich denke, im realen Leben eher nicht.
Eines muss man Nicholas Christopher trotz allem jedoch zugestehen: er versteht es sehr bildhaft, sensibel und voller Details zu schreiben, so dass man recht flott in dieser Geschichte vorankommt und sich alles genau vorstellen kann. Einen Drang, das Buch wegzulegen – trotz der eher mittelmäßigen Spannung – habe ich nicht gespürt. Vielmehr habe ich mich über die Seiten hinweg wirklich mit Xeno angefreundet und irgendwann damit abgefunden, dass dieses Buch keineswegs von einem packenden Abenteuer berichten würde.
Fazit: „Das verlorene Bestiarium“ ist statt eines packenden Abenteuerromans, wie es der Klapptext verspricht, vielmehr die einfühlsam erzählte Geschichte eines Jungen, der durch seine Großmutter von den geheimnisvollen Fabeltieren fasziniert ist und sich Jahre später auf die Suche nach dem sagenumwobenen „Karawanenbuch“ macht. Doch diese Geschichte bietet weniger fesselnde Spannung oder wendige Ereignisse, sondern sensibel gezeichnete Figuren und einen netten, unterhaltsamen jedoch sehr geradelinigen Plot ohne Höhen und Tiefen. Hin und wieder streut Nicholas Christopher mythische Erlebnisse Xenos ein, auf die jedoch nicht weiter eingegangen werden. Wenngleich der Autor seine Leser relativ gut unterhalten kann, habe ich mir von diesem Roman mehr Abenteuer und Spannung versprochen.
Sandra Kuhn, Grosse-Literatur.de
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