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| Mascha Rolnikaite |
| Ich muss erzählen |
| Mein Tagebuch 1941-1945 |
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Verlag: Kindler
Format: gebunden, 283 S.
ET: D 10/2002
Preis: 19,95 €
ISBN: 3-463-40427-3
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| Klapptext: |
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Als die Deutschen am 24. Juni 1941 die litauische Hauptstadt Wilna besetzen, ist Mascha dreizehn Jahre alt. So ungeheuerlich sind die Veränderungen, die ihre kleine Welt urplötzlich zerstören, dass sie beschließt, die Ereignisse in einem Tagebuch festzuhalten. Im September kommen die Wilnaer Juden ins Ghetto, auch Mascha mit ihrer Mutter und den drei Geschwistern. Abends schreibt sie ihre Beobachtungen auf. Dies spricht sich herum, und bald bitten die Menschen das Mädchen aufzuschreiben, was sie selbst gesehen haben. So wird Mascha zur Chronistin des Wilnaer Ghettos.
Aber Tagebuchschreiben ist gefährlich. Die Mutter rät ihr, die Aufzeichnungen auswendig zu lernen. Ein nützliches Gedächtnistraining, wie sich später zeigen wird. Als man am 23. September 1943 das Wilnaer Ghetto auflöst, wird Mascha ins KZ Strasdenhof bei Riga deportiert. Und sie schreibt weiter, auf Stücken zerrissener Zementsäcke, bis man die Lagerinsassen im Herbst 1944 nach Stutthof schafft. Das Tagebuch endet mit der Evakuierung des Lagers.
Kaum wieder zu Kräften gekommen, macht sich Mascha an die Wiederherstellung des Textes aus der Erinnerung. Doch an die Veröffentlichung des Textes ist noch lange nicht zu denken. Die Zeit ist nicht danach. Am Ende erscheint das Tagebuch in einer zensierten Fassung.
Mit diesem Buch liegt dem deutschsprachigen Leser nun erstmals die vollständige Übersetzung aus dem Jiddischen vor. |
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| Biographie: |
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| Mascha Rolnikaite, 1927 als Tochter eines Rechtsanwalts in Klaipeda, dem früheren Memel, geboren und in Plunge aufge- wachsen, hat das Wilnaer Ghetto, das KZ Strasdenhof bei Riga und das KZ Stutthof bei Danzig überlebt. Außer der Mutter und ihren jüngeren Geschwistern hat sie fünfundvierzig Angehörige verloren. Heute lebt sie in Sankt Petersburg, ist Mitglied des dortigen Demokratischen Schriftstellerverbandes und schreibt auf Russisch. |
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| Grosse-Literatur.de-Rezensionen: |
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Es gibt Bücher, die unterhalten; bringen ihre Leser mit urkomischen Situationen zum Lachen. Andere schaffen es die
Lesenden zu Tränen zu rühren. Und es gibt Bücher, die man immer wieder weglegen und darüber nachdenken muss und die ein
gewaltiges Grauen in sich bergen. Ein Grauen, dass nicht erfunden, keine Phantasie ist - sondern ein Stück wahre Geschichte.
Geschrieben aus Erinnerungen, aus Erlebtem ... Mascha Rolnikaites Tagebuch "Ich muss erzählen" ist so ein Buch.
Man kann es nicht einfach so dahin und auch nicht zwischendurch lesen. Es ist eine harte, auch für den Leser, schmerzvolle
Geschichte, die es zu durchleben gilt. Und doch ist es ein Muss, denn nie darf vergessen werden, was für grauenhafte Opfer
gefordert wurden und wieviele Menschen ein schreckliches Ende fanden.
Mascha ist gerade 13 Jahre alt, als die Deutschen in Wilna eindringen. Die Rote Armee, die bis dahin Wilna besetzt hatte,
zieht sich zurück. Die Deutschen zwängen die Juden in ein Ghetto, beschneiden ihnen die Grundrechte und zwingt sie einen
Davidstern zu tragen. Alle Juden, die nicht arbeiten, werden nach Ponar gebracht, erschossen und in einem Massengrab
verscharrt. Das Leben wird zur Qual, Todesangst plagt die Menschen ununterbrochen und die Essensrationen reichen nicht im
Geringsten. Zudem denken sich die Ghetto-Leiter immer neue Quälereien aus und pferchen die Menschen wie Tiere zusammen.
Dachte Mascha noch, dies wäre die Hölle, muss sie schon bald feststellen, dass es immer schlimmer kommen kann - als 1943 das
Wilnaer Ghetto aufgelöst wurde (Mehrere Hunderttausend Juden hat man bereits umgebracht) wird Mascha von ihrer Mutter und
ihren jüngeren Geschwistern Rajele und Ruwele getrennt - sie wird sie nie wiedersehen.
Zusammen mit fast zweitausend anderen bringt man sie ins Konzentrationslager Strasdenhof. Dort werden sie verprügelt und gequält
und müssen unter den denkbar schlechtesten Bedingungen arbeiten und (über)leben.
Die Essensrationen sind so gering, dass man als Leser sich kaum vorstellen kann, dass ein Mensch damit auch nur einen Monat
am Leben bleibt.
Nachdem sich die Zahl der Insassen auch hier stetig drastisch reduziert - durch Mord und Krankheit - bringt man die letzten
schließlich ins KZ Stutthof. Dass hier noch schlechtere Bedingungen vorherrschen als in Strasdenhof wird schnell klar.
Als die Deutschen schließlich unterlegen sind und die Rote Armee sie immer weiter zurückdrängt, wird das KZ Stutthof evakuiert.
Alle, die nicht laufen können, werden erschossen. Mascha ist kaum mehr fähig zu gehen, kaum fähig sich aufrechtzuhalten,
nur gestützt von anderen Frauen, kann sie den mehrtägigen Fußmarsch schaffen - und endlich, endlich kommt die langersehnte
Rote Armee auch ihnen zu Hilfe.
Neben Mascha erlebt auch der Leser Unvorstellbares. Man ist erschüttert und traurig. Gleichzeitig auch wütend auf Menschen,
die Spaß daran haben andere zu quälen; auf Menschen, die wegsehen.
Mascha Rolnikaites Tagebuch ist kein Tagebuch im eigentlich Sinn. Es sind Fragmente, angereichert mit Erinnerungen und
auswendig gelernten Aufzeichnungen, geformt zu einem Ganzen, denn ein "richtiges" Tagebuch zu führen, war für Mascha nicht
möglich.
Es ist eine ergreifende Geschichte, die den Leser erschüttert, die den Generationen, die erst später geboren wurden, das
Grauen während des 2. Weltkrieges vor Augen führt, die die Menschen nicht vergessen lässt und auch die vielen Opfer nicht
vergessen macht.
Sandra Kuhn, Grosse-Literatur.de
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