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Hakan Nesser
 
 
 
Raymond Khoury
Scriptum
 
Original: The Last Templar
Verlag: Rowohlt
Format: broschiert , 556 S.
ET: 12 / 2005
Preis: 9,90 €
ISBN: 3-499-24208-7
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Klapptext:
In New York wird eine Ausstellung eröffnet: die kostbarsten Schätze des Vatikans - aber die vier Reiter, die den Abend in einem Blutbad ertränken, haben es allein auf ein verwittertes Holzkästchen abgesehen. Die zufällig anwesende Tess ist elektrisiert: Alle vier Angreifer waren wie Tempelritter gekleidet. FBI-Agent Sean Reilly erkennt schnell, dass die junge Archäologin ihm mit ihrem Wissen über Kirchengeschichte von unschätzbarem Wert ist. Welches Geheimnis verbarg sich in dem uralten Verschlüsselungsapparat? Was treibt den unsichtbaren Drahtzieher des Anschlags an? Tess und Reilly folgen ihm um die halbe Welt - bis sie schließlich merken, dass sie selbst die Verfolgten sind.
 
 
Meinungen anderer Leser:
Es ist auffällig, wie viele Romane erschienen sind, die im ähnlichen oftmals sogar gleichen Genre wie Dan Browns Erfolgstitel (Sakrileg/Illuminati) spielen und an dessen Erfolgen teilhaben wollen. Fast jeder Verlag versucht ein Stückchen dieses Marktes für sich zu behaupten. Und in jedem Roman spielen der Vatikan, Geheimbünde und Verschwörungen eine Rolle. Hier werden Tatsachen, Theorien der Bibelgeschichte und überhaupt der Geschichte, Magie und Aberglaube miteinander vermischt, es entsteht ein Hang zum Okkulten, ein Drängen danach, die einzige Wahrheit zu finden oder zumindest etwas Licht in die Schattenwelten uralter Geheimnisse zu bringen.

In "Scriptum" spielen die geheimnisvollen Tempelriten zur Zeit der Kreuzzüge im "Heiligen Land" die Hauptrolle, begleitet von einigen Enthüllungen der Evangelien, auch Alchemie und versteckte Schätze kommen hinzu, und zu guter Letzt steht der Vatikan auch hier wieder in keinem sehr guten Licht.


Die Story

Akkon im Jahr 1291. Lateinisches Königreich Jerusalem - das "Heilige Land.

Die Tempelritter kämpfen verzweifelt, aber gegen diese Übermacht haben sie keine Chance, und das "Heilige Land" gilt als verloren. Die Sarazenen bekämpfen die in ihren Augen Ungläubigen schon seit Jahren, und nun geht diese Festung unter großen Verlusten in ihren Besitz zurück. Die Templer und Ritter des Johanniterordens werden gänzlich getötet, nur wenige können dem Inferno entfliehen und landen auf der Insel Zypern.

Der Großmeister des Ordens hinterlässt ein Geheimnis, verwahrt in einer kleinen Schatulle, und sein letzter Wille ist es, diese nach Paris bringen zu lassen. Versteckt auf der Ordensgaleere "Faucon du Temple" erreicht sie, durch ein Unwetter versenkt, nie das Ziel.

Jahrhunderte später - Die Geschichte setzt sich im heutigen New York fort.

Der Vatikan stellt seine gesammelten und geraubten Schätze im Metropolitan Museum of Art im Herzen dieser Stadt aus.

Durch Terrordrohungen befindet sich die Großstadt in einem permanenten Alarmzustand. Die Bundesbehörden verschärfen die Sicherheitsmaßnahmen, aber hiermit hat keiner gerechnet: Aus dem Dunkel des Central Park tauchen vier Reiter auf und nähern sich auf ihren prachtvollen Pferden dem Museum. Sie sehen aus, als wären sie einer Zeitmaschine entsprungen. Alle vier Reiter tragen die gleiche mittelalterliche Rüstung, visierbewehrte Helme, Kettenpanzer. Der dramatische Auftritt wird noch durch die Schwerter in ihren Scheiden unterstützt, am auffälligsten aber sind die weißen Umhänge und das Zeichen darauf: ein geschweiftes blutrotes Kreuz - das Wappen der Tempelritter.

Anfangs für eine Aktion der Ausstellung gehalten, betreten diese vier Ritter unter Beifall, Jubeln und Klatschen mitsamt ihren Pferden das Museum. Schnell wird den Besuchern, Reportern und Sicherheitskräften klar, dass dies nicht zum Programm gehört, denn die vier Ritter verwandeln die Ausstellungsräume in ein Schlachtfest.

Ihr Ziel sind natürlich die ausgestellten Gegenstände des Vatikans, und hier besonders ein verwittertes Holzkästchen. Wie sich später herausstellt, ist dies ein uralter Verschlüsslungsapparat: ein Rotorchiffrierer. Der Überfall dauert nur Minuten, und unter der Panik der Besucher verschwinden die vier Tempelritter wieder in dem nahen Central Park.

FBI-Agentin Sean Reilly und die junge Archäologin Tess Chaykin, die zusammen mit ihrer Tochter zufällig diese Ausstellung zum Zeitpunkt des Raubüberfalls besuchte, versuchen hinter das Motiv des Anschlages zu kommen. Tess, die mit ihrem Wissen über die Kirchgeschichte dieses Ritterordens der Ermittlung unschätzbare Dienste erweist, kommt den Drahtzieher schnell näher. Doch es gibt noch andere, die das Geheimnis um die Tempelritter lüften wollen. Nach und nach sterben drei der vier "Ritter", sie werden grausam ermordet. Welche Rolle spielt der unnahbare Monsignore De Angelis, ein Mitarbeiter des Vatikans, der Heiligen Römischen Kirche?

Kritik

Anfangs war ich noch recht angetan, die Story erschien mir interessant und nicht unbedingt an den Haaren herbeigezogen. Doch im Laufe der Handlung kam es mir zunehmend so vor, als hätte Raymond Khoury versucht, das Grundgerüst eines Dan Brown kopieren zu wollen.

Die beiden Charaktere Sam Reilly und Tess Chaykin erinnerten mich doch sehr an die Hauptdarsteller von Browns "Sakrileg" und "Illuminati". Beide ergänzen sich in diesem Falle sehr gut; die Polizistin, die geschichtlich überhaupt nicht versiert, aber sehr gläubig ist und allzu menschlich Schwäche, Minderwertigkeitskomplexe und Schuldgefühle erkennen lässt. Ihr zur Seite steht die recht selbstbewusste und attraktive Expertin, die nebenbei noch äußerst intelligent und ehrgeizig ist. Und genau das hat mich arg enttäuscht. Und wenn dazu noch eine kitschige Liebesgeschichte kommt, die nun gar nicht ins Geschehen passt, kann mein Urteil letztlich keine Empfehlung sein. Der Autor ist scheinbar nicht nur bei Dan Brown in die schriftstellerische Lehre gegangen, sondern bediente sich auch bei Elementen des Romans "Assassini" von Thomas Gifford.

Was mir gefallen hat, und damit hat sich Raymond Khoury eng an die geschichtlichen Fakten gehalten, waren die Spekulationen über das Geheimnis um den Schatz der Tempelritter. Auch ein immer wieder gern zitiertes Thema in diesem Genre, "Scriptum" beinhaltet aber neben der recht lahmen Handlung eine recht interessante Theorie in durchaus verblüffender Variante.

Der Autor erzählt uns durch Tess Chaykin von Geschichte, Aufstieg und Fall des Ritterordens in komprimierter Form. Die Rückblicke in die Vergangenheit, in denen die Handlungen der Tempelritter eine wichtige Rolle spielen, sind weitaus interessanter als das Geschehen in der heutigen Zeit. Hier hätte der Autor vielleicht besser einen historischen Roman schreiben sollen. In "Scriptum" bekommt der Leser noch einen kleinen Einblick in die Entstehung der Evangelien und die Etablierung und den Aufstieg kirchlicher Macht. Allein diese kleinen Wahrheiten sind für den interessierten Käufer lesenswert und stimmen nachdenklich. Aber sollte man sich ohnehin für das Thema dieses Ritterordens, die Geheimnisse und Theorien interessieren, so ist man sicherlich besser beraten, sich entsprechende Sachbücher zu besorgen.

Außerdem wird die Rolle des Vatikans nicht weiter ausgespielt. Hier wäre es vorteilhaft gewesen, diesen mehr zum Zuge kommen zu lassen. Kurz spielt die Geschichte in Rom, und schon wenige Seiten später fragt man sich, warum der Autor diesen Handlungsstrang so abrupt abgerissen hat. Die Interessen der kirchlichen Macht hätte ich mir detaillierter vorstellen können.

Schade, der Roman hätte vielleicht ein wirklicher guter des historischen Genres sein können, aber als Thriller versagt er leider völlig. Hier gibt es bessere Veröffentlichungen, die durch Spannung und Geschichte unterhalten. Ein wenig Geschichte der Tempelritter, ein wenig Suchen nach dem Heiligen Gral, ein wenig morden für den Vatikan, ein Geheimnis, das den Kirchenstaat stolpern lassen oder gar ins Wanken bringen würde - alles schon einmal gehabt, alles schon einmal gelesen und nichts Neues dabei gefunden.

Ich kann diesen Roman wie gesagt nicht empfehlen. Es gehört sicherlich zur Strategie des Verlages, das Cover des Romans ähnlich aussehen zu lassen wie die Werke eines Dan Brown, denn es ist doch offensichtlich, welches Ziel hier verfolgt wurde. Enttäuschend. Aber vielleicht lernt Raymond Khoury aus den Fehlern und sein zweiter Roman wird besser und eigenständiger. Wer weiß?
       
Michael Sterzik - 2008-09-21
 
 
 
 
   
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