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Hakan Nesser
 
 
 
Christopher Kloeble
Unter Einzelgängern
 
Verlag: dtv
Format: broschiert, 177 S.
ET: 10 / 2008
Preis: 14,90 €
ISBN: 978-3-423-24665-1
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Klapptext:
Ausgezeichnet mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2008

Angela und Erich (die Eltern), Simon und Katrin (die Kinder) – sie sind das, was man eine Familie nennt. Doch Angela stürzt, führt das letzte Gespräch ihres Lebens mit einer Wollmaus und verabschiedet sich dann für immer. Erich joggt nun um sein Leben, Katrin flüchtet sich in eine verbotene Liebe und Simon beginnt zu schreiben, um eine neue Familiengeschichte zu erfinden (das Buch im Buch).

Christopher Kloeble hat einen ungewöhnlichen Roman geschrieben. Mit viel Empathie schlüpft er in die Köpfe seiner Helden und erzählt vom tragikomischen Schicksal einer Familie, die ebensoviel trennt wie zusammenhält. Eine Familie, in der ein roter Fleck gerne unter den Teppich gekehrt wird, ein Parfum namens en passant einfach nicht loszuwerden ist und ein gewisser Philipp Thelen den Gemütern – und vor allem Angela – keine Ruhe schenkt.

Aber was bedeutet das eigentlich: Familie? Und reichen vier Einzelgänger überhaupt aus, um von einer solchen zu sprechen? Ein brillantes Romandebüt.
 
Unsere Meinung:
Eine Sterbeszene leitet die Geschichte einer Familie ein. Mutter Angela stürzt unglücklich im Hausflur und fällt mit dem Kopf auf eine Treppenstufe. Außer einer Wollmaus, die in Gedanken mit ihr spricht, ist niemand da. Und so stirbt sie. Ihr Tod bringt die Familie sukzessive wieder zusammen, bis dahin flüchten sich jedoch alle Familienmitglieder in ihre eigenen Vorstellungen von Trauerbewältigung. Simon, der Sohn, schreibt für sein Leben gern und nutzt diese Situation, um sich kurzerhand eine neue Familiengeschichte zu erfinden. Diese Geschichte bildet ein Buch im Buch, man taucht in zwei Familiengeschichten ein. Katrin, die Tochter, flüchtet sich in Liebschaften, ebenso wie Erich, der Vater, der plötzlich sein Übergewicht bekämpft und seine Trauer beim Sex mit anderen Frauen verarbeitet. Er versucht, die Familie so gut es geht zusammenzuhalten. Nach und nach finden sie wieder zueinander, der Prozess ist für jeden Einzelnen auf seine eigene Art schmerzhaft und jeder versucht letztlich, die Trauer alleine zu verarbeiten. Bis alle Beteiligten am eigenen Leibe erfahren, was Familie eigentlich bedeutet und wofür sie steht.

Ich habe nur ein paar Stunden für dieses Buch gebraucht. Es ist normalerweise nicht unbedingt das, was ich lesen würde. Aber ich dachte mir, dass es doch mal an der Zeit wäre, etwas anderes auszuprobieren. Es hat sich gelohnt. Man verschmilzt mit den Schicksalen, kann die Gedanken gut nachvollziehen und denkt über seine eigene Stellung in der Familie nach. Es ist berührend und hat heitere Momente. Der Perspektivenwechsel macht es dem Leser leicht, das Seelenleben der Protagonisten zu verstehen. Es ist durchaus ein lesenswertes Buch, der Autor hat ein hervorragendes Debüt hingelegt. Es ist fernab vom Mainstream, was auf den Bestsellerlisten auftaucht und ich wünsche diesem Buch mehr Aufmerksamkeit, behandelt es doch ein schweres Thema: den Tod eines Familienmitgliedes.

 

Marina Rico, Grosse-Literatur.de
 
 
 
 
   
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